Mitmachen

 

Wie kann ich mitmachen?

Am besten läuft das Mitmachen immer noch über die eigene Initiative Theaterprojekte ins Leben zu rufen. Wir helfen und beraten euch gerne dabei. Kommt einfach zu unserem Stammtisch, genannt "STUTHE-Frühstück", oder schreibt uns eine Nachricht an mail@stuthe.com.

Ihr könnt mit jeder Idee an uns herantreten, sei es als Schauspieler/in, Regisseur/in, Produktionsleiter/in oder in einer anderen Funktion. Wir versuchen dann gemeinsam, Mitwirkende zu diesen Projekten zu vermitteln, z. B. indem wir in Newslettern darüber informieren.

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Kennenlernen

Während des Semesters treffen wir uns jede Woche locker und unverbindlich in einem netten Wiener Lokal.

Dort ist jeden Dienstag ab 19 Uhr ein Tisch reserviert, an dem die Aktiven der STUTHE zusammenkommen. Du bist herzlich eingeladen, dazuzustoßen und uns kennenzulernen, über Theater an sich zu plauschen oder erste Ideen für ein neues Projekt auszutesten.

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Ihr könnt mit der Idee an uns herantreten, bestimmte Theaterprojekte zu realisieren, sei es als Schauspieler/in, Regisseur/in, Produktionsleiter/in oder in einer anderen Funktion. Wir versuchen dann gemeinsam, Mitwirkende zu diesen Projekten zu vermitteln, z. B. indem wir in Newslettern darüber informieren.

Daher freuen wir uns besonders über eure Bereitschaft, an Projekten mitzuwirken – in allen möglichen Bereichen – indem ihr euch für unseren Newsletter anmeldet.

Pressestimmen

 

 

Die Beautyqueen von Leenane
Quelle:fm5.at


Bedrückende Nähe, Inszenierung eines drastischen Machtkampfes und viel schwarzer Humor zeichneten Die Beautyqueen von Leenane aus. Aleksandra Corovic, Jana Bohlmann, Christopher Hüttmannsberger und Julian Ricker übernahmen die Hauptrollen.




Er ist der Mann hinter dem Text: Der irische Dramatiker und Regisseur Martin McDonagh brachte 1996 ein unglaublich packendes Stück zur Welt - Die Beautyqueen von Leenane. Sie stellten es auf die Bühne: die Plattform STUTHE (Studierenden-Theater), ein Verein, der Kunstschaffenden die Möglichkeit bieten will, sich weiterzuentwickeln. Die Aufführung fand an fünf Tagen in einem Haus nahe des Hernalser Gürtels in Wien statt und bot ein beeindruckendes Erlebnis. Der Eingang war verdunkelt, so dass man bloß durch sanfte Musik erahnen konnte, wohin es geht. Die ersten Eindrücke waren mehr als nur einprägend, allerdings nicht in negativer Art und Weise. Empfangen wurde man mit warmem Tee und Keksen. Mit der Frage "Oh, hat Kimberly nicht geschmeckt?" wurde Verwirrung erzeugt, die sich wenig später im Stück aufgeklärte. Kimberly ist ein Keks mit Marshmallows. Besondere Sitzgelegenheiten boten eine andersartige, aber durchaus auch heimelige Atmosphäre; auf Stühlen, Polstern und gemütlichen Sofas inklusive Decken begab man sich mitten ins Geschehen. Die Distanz zwischen Zuschauer und Schauspieler wurde komplett aufgehoben, da man nur wenige Zentimeter von Spielstätten im Stück wie der Garderobe und der Küche getrennt war.



Realität oder Unterstellung?


Diese Nähe erzeugte ein verstärktes Gefühl des Miterlebens und Nachempfindens. Dies gelang auch aufgrund der eindrucksvollen Leistung der vier Schauspieler. Das größte Lob gilt dabei Aleksandra Corovic, die in der Rolle der Maureen Folan glänzte. Maureens Welt spielt zwischen familiärem Pflichtgefühl und Selbstverwirklichungsdrang. Während sie sich um ihre morbide Mutter kümmern muss, kommt ihr eigenes Leben viel zu kurz. Gefangen auf einem Hügel im irländischen Leenane, pendelt Maureen zwischen Hühnerstall im Garten und Saustall im Wohnzimmer hin und her. In ihrer trostlosen Tätigkeit gleicht sie einer Bombe, die durch das Auftauchen eines Mannes gezündet wird und jederzeit zu explodieren droht. Doch kurz nur lodern die Flammen des Glücks, denn eben dieses scheint Maureen nicht vergönnt, hat sie die Pläne doch ohne ihre Mutter gemacht. So beginnt ein mit Intrigen gespickter (Über-)Lebenskampf zwischen Wunsch und Wirklichkeit.



Während der zweieinhalbstündigen Inszenierung stand die Frage im Raum, was nun real und was Unterstellung sei - eine Frage, die das Publikum durch das verstörende Ende wohl auch nicht zu beantworten wusste. Gerade die Einfachheit der Bühnengestaltung brachte Schwung in die Inszenierung. Eine Küche, eine Garderobe und ein Schaukelstuhl, auf dem die Mutter die meiste Zeit verbringt, reichten aus, um die Spannung beizubehalten und die Kluft zwischen Realität und deren Verlust umso authentischer erscheinen zu lassen. Erwähnt werden muss auch die melancholisch anmutende Musik von Lydia Sarges, die den Zuschauer immer wieder zusätzlich in den Bann des Stücks gezogen hat.


Fazit


In der STUTHE-Inszenierung von Die Beautyqueen von Leenane paarte sich die unscheinbare Schönheit des Einfachen mit der bedrückenden Komplexität zwischenmenschlicher Beziehungen - bis zum bitteren Ende.


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Inszenierung Broadwayerfolg
Quelle: meinbezirk.at

Neuer TeWien: MO.Ë | Im Zuge der filmischen Erfolge von Martin McDonagh ("Brügge sehen... und sterben?"/ "Six Shooter" Oscar/ "7 Psychopaths" m. C. Farrel, C. Walken u.a.), wollen nun junge Talente der Wiener Theaterszene die früheren Theatertexte des enfant terrible aus Großbritannien aufleben lassen. Der Broadwayerfolg „Die Beautyqueen von Leenane“ wurde mit vier Tony Awards ausgezeichnet und war für die Kategorie „Bestes Stück“ nominiert.
Unterstützt und finanziert werden die Künstler durch den langjährigen Theaterverein STUTHE und die Wien Energie GmbH.
Premiere ist am 12. Oktober 2012 im interdisziplinären Kulturraum MO.Ë.



Humor, so schwarz, dass einem das Lachen im Halse stecken bleibt

Im Focus des Stücks steht eine groteske Mutter-Tochter-Beziehung, in der zwei Lebenskonzepte verhängnisvoll aufeinander prallen. Maureen Folan ist gefangen: Inmitten der irischen Tristesse und überschüttet vom andauernden Regen. Gefangen von ihrem bedeutungslosen Alltag, der Arbeit in schlammigen Pfützen, einer verbitterten Mutter. Bereits von ihren anderen Töchtern verachtet und gemieden, hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, ihre Tochter aus diesem Wahnsinn nicht mehr entfliehen zu lassen. Pisse in den Küchenabfluss zu kippen, ist nur eines ihrer vielen Psychospielchen. Die Lage scheint aussichtslos für Maureen. Alles was ihr bleibt, ist der brodelnde Hass gegen die Frau, die ihr das Leben schenkte. Doch dann trifft sie ihren alten Schulfreund Pato. Ihre letzte Chance auf Liebe birgt fatale Folgen in sich.



Die Bühne – ohne Abstand zum Geschehen

Die Inszenierung verschafft Eintritt in einen entstellten, dennoch intimen familiären Raum, dessen Atmosphäre von jahrelanger Missgunst und seelischer Grausamkeit zerfressen ist. In dieses psychosoziale Spannungsfeld werden die Zuschauer als Gäste des Landhauses eindringen. Durch die interaktive Raumgestaltung und die Platzierung des Publikums inmitten der Bühne wird das Publikum direkt mit Maureens morbiden Wunschträumen konfrontiert. In Zusammenarbeit mit freischaffenden Filmkünstlern entstehen Visuals die zwischen Realbild, Malerei und digitaler Animation schwanken, diese verbildlichen fragmentarisch das zerrüttete Innenleben der Protagonistin. Musikalisch wird der Raum von den Werken einer Singer-Songschreiberin aus Berlin erfüllt.


Das Stück wurde von einer jungen Theatergruppe im Rahmen des Studierende.Theater (STUTHE) wieder ins Leben gerufen. Nachwuchs-Regisseurin Rieke Süßkow und ihr Team arbeiten bereits seit Anfang des Jahres hart an der Umsetzung. Die Anforderungen an sich selbst sind hoch. Das Potential nicht weniger. Assistenzen und Hospitanzen konnten bereits bei der Garage X, im Salon 5 und am renommierten Berliner Schlossparktheater abgeschlossen werden. Bald folgt auch das Wiener Schauspielhaus. Bespielt wurden vom Kernteam bereits die Neue Tribüne Wien und das Theater Brett. Die Schauspieler und Schauspielerinnen sind junge Talente der Jungen Burg und des Konservatoriums. Der Soundtrack wurde extra für das Stück von der berliner Singer-Songwriterin Lydia Sarges produziert. Die Inszenierung startete als No-Budget-Produktion und konnte ausschließlich durch Förderungen und Karteneinnahmen refinanziert werden. Doch ein neuster Sponsor verschaffte den jungen Theaterschaffenden mehr Luft zum Atmen. Dank Wien Energie GmbH kann sich das Team nun noch besser auf die Umsetzung konzentrieren und erhielt äußerst motivierende Bestätigung. Diese stellt schließlich das Wichtigste für Künstler_Innen dar.


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Fräulein Else, Ihre Gedanken seien mit uns
(Quelle: fm5.at)

Die Organisation STUTHE bringt Ende April Arthur Schnitzlers Novelle "Fräulein Else" in einer Bearbeitung von Andrea Imler auf die Bühne des Pygmalion Theater in Wien. 

STUTHE macht Theater. STUTHE steht für Studierende-Theater und ist ein finanziell unabhängiger Verein, dessen Ziel darin besteht, Theaterprojekte mit Theaterinteressierten und engagierten Kunstschaffenden zu verwirklichen.

Nach der letzten STUTHE-Aufführung "Endspiel" von Samuel Beckett steht nun mit Arthur Schnitzlers "Fräulein Else" ein Stück österreichischen Ursprungs auf dem Programm. 
Regisseurin Andrea Imler hat Schnitzlers zeitlos-aktuelle monologische Novelle für die Bühne adaptiert und arbeitet dabei im Gegensatz zu früheren Inszenierungen nicht mit einer durchgehend monologisierenden Protagonistin, sondern mit fünf SchauspielerInnen. 
Der Originaltext Schnitzlers wurde zwar großteils übernommen, doch die Handlung wurde auf das Wesentliche gekürzt und neu angeordnet. Projektionen und Toneinspielungen unterstützen die Darbietung der SchauspielerInnen und erzeugen somit eine audiovisuelle Spirale, die auf das tödliche Ende Elses zusteuert. Mittels des inneren Monologs können die ZuschauerInnen dabei ungefiltert Elses Gedankengänge während ihrer letzten Stunden miterleben.

Else, eine alleingelassene junge Frau, stößt auf der Suche nach Identität und Selbstbestimmung an die Grenzen des eigenen Bewusstseins. Ihren Gedanken ausgeliefert zerbricht sie an einer Gesellschaft, die den Weg zu einem frei bestimmten Leben versperrt. Naive Irrationalität, einsame Melancholie, Sehnsucht, Verzweiflung und Verlangen stehen einem klaren Blick gegenüber, der familiäre und patriarchale Strukturen ebenso durchschaut wie die Doppelbödigkeit der privilegierten Gesellschaft. 

In einer Bearbeitung und unter der Regie von Andrea Imler, in einem Bühnenbild von Nina Salak und Kostümen von Roshi Porkar spielen Daniela Zacherl, Kai Krösche, Sophie Prusa, Sebastian Schley und Miriam Torwesten vom Verein STUTHE.

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Groteske mit Wandverbau
Quelle: "Studi-Kurier", 26. 3. 2010

Die „Stuthe“ inszeniert Samuel Becketts „Endspiel“ als aussichtslose Groteske die schon mit dem Ende beginnt. Von da an geht es mit den Personen abwärts.
Mitten auf der Bühne stehen sie, die beiden Tonnen in denen die Alten hausen. Aber nicht nur mit Mutter und Vater geht es zu Ende. Alle Personen in Becketts absurdem Theaterstück „Endspiel“ sind dem Zerfall ausgesetzt und dem Untergang geweiht. „Ende“ ist das erste Wort des Textes, den die Studierenden von der „Stuthe“ (Studententheater) unter der Regie von Catharina Kleber auf die Bühne gebracht haben.

Kein Ausweg

Clov (Thomas Weilharter) ist die einzige Person, die sich überhaupt noch bewegen kann in diesem herrlich absurden Untergangsspektakel. Alle anderen Personen sind mit dem Bühnenbild von Brigitte Schima verwachsen. Nell und Nagg (Stefanie Gmacht und Sarah Gaderer) sind in ihren Tonnen immobilisert, überhaupt nur zur Hälfte vorhanden. Die Bühne wird von einem braunen Wandverbau begrenzt, der alles Licht schluckt. In ihrer Biederkeit lassen die Möbel keinen Zweifel daran, dass es keinen Ausweg gibt. Selbst Clov, dem einzigen, der sich ohne fremde Hilfe bewegen kann, bleibt nur der Schrank als Zufluchtsort. „Ich verlasse dich“, sagt er zu Hamm, den er zu betreuen scheint, „Ich habe zu tun“.

Generationenkonflikt

Immer wieder die selben Phrasen legt Beckett seinen Spielern in den Mund. Diese haben sich einen genauen Subtext überlegt, sagt die Regisseurin. „Du verpestest die Luft“ wird zur Begrüßungsformel. Dem aufmerksamen Zuschauer entgeht nicht, dass sie mit so etwas wie Zuneigung gesprochen wird. Der Text ist monumental und unglaublich anspruchsvoll. Die Spieler der Stuthe entwickeln zarte Momente und ja – Spannung. Es ist eine eintönige, einsame Lebensmüdigkeit, die die Stuthe auf der Bühne leidenschaftlich zelebriert. Eines Tages beim wieder Lesen des Textes habe Regisseurin entdeckt, dass sie nicht zu jung sei, sich daran zu wagen. „Ich kenne diese Gefühle ganz genau“, sagt Kleber. Sie hat einen handfesten Generationenkonflikt auf der Bühne entzündet. In den Alten steckt das Kind, das nur alt-sein spielt, Clov der junge hat sich längst aufgegeben. Warum sie gerade den Beckettschen Text hernimmt um ihrem Publikum eine Vater-Mutter-Kind-Geschichte zu erzählen? „Alles andere wäre absurd“, sagt Kleber und lacht über das, was sie gerade gesagt hat.

Weitere Vorstellungen: 26 und 27. März, Theater Brett.

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Bühnenstars, selbst gemacht
Quelle: "Die Presse", 30.09.2009

Seit fast zehn Jahren gibt es das Studierendentheater „Stuthe“. Fehlendes Geld wird mit Engagement und Kreativität wettgemacht. Nächste Premiere: „Treibgut“.

Der Weg zum Oscar ist weit, das Studium der Theaterwissenschaft eher trocken. In den überfüllten Hörsälen versuchen nicht nur Professoren, sich während der Einführungsvorlesungen Gehör zu verschaffen: Das Studierendentheater, kurz „Stuthe“ genannt, buhlt alljährlich im Herbst um Nachwuchs für ihre Projekte. Seit beinahe einem Jahrzehnt bietet „Stuthe“ Laiendarstellern und Möchtegern-Regisseuren die Möglichkeit, sich an Theaterproduktionen zu versuchen. Von der Beschaffung notwendiger Requisiten, der Auswahl der Schauspieler bis zum Kleben von Werbeplakaten wird alles selbst gemacht. Geld gibt es dafür keines.

Wie ein derartiges Projekt trotzdem funktionieren kann? „Durch Spaß an der Sache“, meint Martin Thomas Pesl. Der 26-jährige „Stuthe“-Chef ist seit dem Beginn im Jahr 1999 dabei und macht „eigentlich alles“. Neben Schauspielerei, Lesungen der eigenen Texte und Produktionsmithilfe ist er seit mittlerweile zwei Jahren im Vorstand aktiv. Und das, obwohl er nicht mehr zur Riege der Studenten gehört. Zuletzt stand er mit der „Stuthe“ im Mai auf der Bühne: „Shakespeares sämtliche Werke – leicht gekürzt“ war ein „erstaunlich guter Erfolg“, meint er – auch in finanzieller Hinsicht. Für den Verein eine gute Möglichkeit, neue Projekte zu planen.

Denn fehlendes Geld macht so manchen Plan schnell wieder zunichte. Der Verein bekommt keine regelmäßigen Förderungen. Momentan muss um jedes Projekt einzeln angesucht werden. In Zeiten der Wirtschaftskrise ist das besonders schwierig. Denn wenn gespart wird, so Martin Pesl, dann erst einmal bei der Kulturförderung. Ähnlich problematisch gestaltet sich die Suche nach geeigneten Proberäumen und Theatern. So fanden die ersten Aufführungen noch in Hörsälen statt. Bis heute wird zeitweise noch in den Wohnungen der Beteiligten geprobt.

Kein Geld, viel Engagement

Der angespannten finanziellen Lage zum Trotz bleibt „Stuthe“ jedoch dem Grundanspruch treu, die Kartenpreise niedrig zu halten, da das Publikum hauptsächlich aus Studenten besteht. Außerdem sind sie es, die hauptsächlich im Verein tätig sind: „Niemand muss bei uns über eine fertige Schauspielausbildung verfügen“, betont Pesl. Trotzdem will der Verein ernst genommen werden. Denn was an Geld und Formalbildung fehlt, wird durch Engagement und Leidenschaft wieder wettgemacht. Wer eine Idee umsetzen möchte, bekommt die Chance dafür, muss dann allerdings auch viele Stunden Arbeit in Kauf nehmen.

Wem eine Theaterproduktion dann doch zu viel Aufwand ist, kann sich zumindest an einer Lesung versuchen oder an einem der angebotenen Workshops teilnehmen. Trotz dieser Vielfalt an Möglichkeiten, die „Stuthe“ bietet, ist die Situation für den Verein nicht immer einfach. „Seit einem Jahr ist das freie Plakatieren auf der Straße nicht mehr erlaubt, was für einen kleinen Verein wie uns schwierig ist. Größere Vereine haben ein größeres Budget und bezahlen fünfzig Euro für eine Plakatstelle, für uns kommt so etwas nicht infrage“, sagt Pesl. Ausgewichen wird deshalb auf Lokale und Büchereien, wo die Werbemittel aufliegen. Die Folge: „Stuthe“ bewegt sich unter der öffentlichen Wahrnehmungsgrenze. „Es gibt so viele Theater, und dann heißt es ,Studententheater‘ – das wird nicht ernst genommen“, klagt er.

Trotzdem scheint sich das Projekt aufgrund des Engagements seiner Mitwirkenden auszuzahlen. Für die Zukunft wünschen sie „Stuthe“ vor allem eines: mehr Geld. Denn von Probeorten und Büroräumen wird derzeit nur geträumt. Das nächste Projekt ist trotzdem schon in Ausarbeitung: Die Uraufführung von „Treibgut“ soll im Dezember stattfinden. 

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Der Schnitzler-Report
Quelle: Wiener Zeitung, 17.12.2008

Regisseurin Marie-Christin Rissinger hat Mut. Sie hat es in ihrer modernen "Reigen"-Inszenierung in einem gleichnamigen Lokal in Wien Penzing verstanden, trotz viel nackter Haut den Kern der Schnitzlerischen Kritik an der bürgerlichen Scheinmoral von damals (und heute) an die Oberfläche des szenischen Theaters zu spülen.

Besonders gelungen ist Rissinger der Kunstgriff, den "Reigen" historisch in das 20. Jahrhundert einzubetten und die im Grunde erschreckend rasch aus dem Ruder gelaufene Entwicklung der sexuellen "Befreiung" zwischen Jahrhundertwende und Gegenwart auf der Bühne transparent zu machen.
Aber es geht nicht nur um den Akt des Beischlafs, der mit Fortlauf der Inszenierung exponentiell immer technischer und unpersönlicher wird und damit ein entlarvendes Sittenbild jenes Zustands zeichnet, den wir gegenwärtig zwar kennen, aber nicht wahrhaben wollen. Die Dirne Leocardia, einst noch vom nasal-kakanischen Grafen (brillant: Aaron Salzer) als "Kind" zuvorkommend behandelt und großzügig entlohnt, verkommt – und diese Transformation hat Rissinger gut herausgearbeitet – zur tragischen Figur der modernen Sex-Arbeiterin.

Des Epilogs hätte es angesichts der tollen Darbietung allerdings nicht mehr bedurft. Der Ort der Inszenierung hat etwas von einem Varieté-Theater und ist daher treffend gewählt.

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Die Studenten-Schauspieler
Quelle: Wiener Zeitung, 12.12.2008

Verein "Stuthe" inszeniert seit 1999.
"Reigen"-Premiere am 14. Dezember.

Wien. Es ist Sonntagnachmittag. Lächelnd öffnet Marie-Christin Rissinger die schwere Eisentüre. "Es ist nicht leicht, hierher zu finden", sagt sie, schließt ab und eilt die schmale Terrasse entlang. Die Adresse des grauen Gebäudemonoliths am Handelskai sei nicht gerade exklusiv, dafür aber günstig und zweckmäßig. "Für unsere Proben reicht der Raum allemal."

In dem knapp 40 Quadratmeter großen Zimmer geht es drunter und drüber. Ein gutes Dutzend junger Studenten und Laienschauspieler der Plattform "Studierendentheater" (Stuthe) bereitet sich auf die Generalprobe von Schnitzlers "Reigen" vor, der ab 14. Dezember in dem gleichnamigen Lokal in Wien-Penzing gezeigt wird.

Für die deutsche Psychologiestudentin Marie-Christin ist es ihr Regie-Debüt. "Bitte schaltet eure Handys aus", ruft die 22-Jährige, "und dann fangen wir an."

Motivation statt Geld

Die Stuthe wurde 1999 als Verein in Wien gegründet, die erste Produktion folgte schon 2000, als die Einakter "Traumkinder" und "Die tiefe Natur" in einem Uni-Hörsaal inszeniert wurden. Ziel der Plattform sei es, wie ihr Sprecher Georg Kessler es ausdrückt, "Dinge zu ermöglichen". Man sei für jede Inszenierungsidee zu haben, Bedingung ist aber, dass ein Konzept vorgelegt wird. Langjährige Erfahrung oder Geld müsse man nicht mitbringen, dafür viel Motivation, so die Stuthe-Philosophie.

Ist aber ein Projekt einmal auf Schiene, kümmert sich die Stuthe um alles Übrige. Sie schreibt die Rollen aus, organisiert das Casting und sorgt für Maske und Kostüme. Weiters mietet sie Proberäume an, installiert Licht, Ton und Technik und übernimmt den Kartenverkauf und die Werbung.

"Keine Theatergruppe"

"Wir sind keine Theatergruppe, sondern Dienstleister und Plattform", bringt es Obmann Martin Thomas Pesl auf den Punkt. Hier seien alle – egal ob Mitglieder, Künstler oder Funktionäre – gleichwertig, betont er. Dass die Zusammenarbeit funktioniert, beweisen die Erfolge der vergangenen Jahre. Für mediales Aufsehen gesorgt haben etwa die Stuthe-Produktionen "Der Besucher" (2004) "Caligula" (2005), "Psychose" (2006) und "Rattenkinder" (2007).

Am Handelskai hofft unterdessen Marie-Christin, an diese Erfolge anschließen zu können. Der erste Durchlauf der "Reigen"-Szenen verläuft zufriedenstellend, die Regisseurin und ihr Dramaturg, Josef Prenner, notieren mit. Miriam Kaser steht dabei erstmals auf der Stuthe-Bühne – die Südtirolerin mimt das "Süße Mädel". "Ich bin über eine Freundin zur Stuthe gestoßen", verrät die Studentin der Theaterwissenschaft. Eine Schauspielerkarriere strebe sie aber nicht an. "Ich spiele einfach gern Theater", sagt Miriam, "was in ein paar Jahren ist, weiß ich jetzt noch nicht."

Dass die Stuthe als Fundament für eine Schauspiel- oder Regisseurskarriere dienen könnte, verneint Obmann Martin. "Es ist nicht so, dass bei uns Talente entdeckt werden", stellt der 25-jährige Moderator und Übersetzer mit ungarischen Wurzeln klar. Man wolle vielmehr jungen begeisterten Menschen die Chance geben, das Erlebnis Theater auszuprobieren, Erfahrungen zu sammeln und Kontakte zu knüpfen. "Und wir organisieren auch Lesungen", fügt er hinzu.

Regisseurin Marie-Christin scheint hingegen in der Stuthe ihre Heimat für die nächsten Jahre gefunden zu haben. "Ich will noch lange in Wien und beim Theater bleiben", sagt sie. Und einmal Regisseurin werden.

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Die Kernschmelze
Quelle: Wiener Zeitung, 25.09.2008

Was Atomkraftwerke im Kleinen leisten, hat Astrid-Marie Reinprecht dramaturgisch eindrucksvoll auf die Bühne des Wiener 3Raum-Anatomietheaters gebannt.

Da werden zwei wie mit Gummibändern gefesselte Seelen, H (Sophie Zwölfer) und Z (Kai Wichmann), aufeinander losgelassen, Konjunkturwellen in der Beziehung des Paares im Wechselspiel von Hass und Liebe sowie Streit und Harmonie transparent gemacht.
Die Themen – aus dem Leben: Geld, Zeit, Karriere, Sex. Und: Die Furcht vor dem Verlassenwerden. Wie auf Schollen tanzen H und Z auf dem Ozean des Zorns und der Angst, bezwingen die Zeitfenster der Gegenwart, um das "Gestern vergessen" zu machen und zu begreifen, dass man nicht von Brot allein lebt. Entzweit irren sie im Labyrinth der Erinnerungen und dringen bis zum Kern ihres Ichs vor. H und Z verschmelzen als X. Nukleus.

Gelungen auch die Kulisse: Der Seziersaal steht für die Pathologie des Geschehens, dessen man sich über zwei "Zugänge" nähern darf. Der minutenlange Applaus war verdient.

Nukleus

Von Astrid-Marie Reinprecht Uraufführung Mit: Sophie Zwölfer und Kai Wichmann

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Morphium singt sie in den Schlaf
Quelle: fm5.at, Freies Magazin, 05/2008

Der Verein STUTHE.Studierende-Theater zeigte mit Michael Blihalls Inszenierung " Schlaf, Kindlein, schlaf…" eine Neubearbeitung des Ken Kesey-Klassikers "Einer flog über das Kuckucksnest".

In der Irrenanstalt geht es rund. Da steht man auf und bekommt gleich Medikamente, um den Tag hinter einem Schleier erleben zu dürfen. Mit einem Mal werden die Walküren wach und stellen sich brav in einer Reihe an, um die Medizin, die das Leben versüßt, zu bekommen. Die Zahnpasta ist fest verschlossen im Schrank des Stationshäuschens, es könnte sich ja wer etwas antun. In Kreissitzungen wird der Zustand der Patientinnen besprochen, wobei sie bis auf die Knochen entblößt werden. Doch dann taucht Andrea auf. Rebellisch und unzufrieden versucht sie, die eingesessene Situation zu verändern. 

Ein großes Vorbild

Die Vorlage zu Schlaf, Kindlein, schlaf… bot Ken Keseys Roman Einer flog über das Kuckucksnest, ein Hauptwerk der Beatgeneration. Kesey wurde neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit auch durch seine Acid-Tests bekannt. In den frühen 1960er Jahren fuhr er mit der Gruppe The Merry Pranksters durch die USA um LSD, das damals noch legal war, zu propagieren. Oder zu promoten, wie man wohl heute dazu sagen würde.

Im Roman Einer flog über das Kuckucksnest beschreibt er Erfahrungen, die er 1959 während seiner Arbeit in der psychiatrischen Abteilung eines Krankenhauses gesammelt hat. Angeblich wurden auch an ihm Experimente vollzogen, welche er in dem Roman verarbeitet hat. 1975 wurde dieser unter der Regie von Miloš Forman verfilmt.

I’ m a creep 

Das klischeehafte Bild der Irrenanstalt wird von Regisseur Michael Blihall schnell aufgehoben. Andreas (Barbara Jansenberger) Irrglaube, dass nur Zwangseingewiesene in einer solchen Einrichtung leben, erweist sich als falsch. Viele der Insassinnen haben von selbst beschlossen, sich vor der Öffentlichkeit zu schützen. Der Kreis in dem die täglichen Sitzungen stattfinden, beginnt sich langsam zu schließen. Schlussendlich ist es Andrea, die in der letzten Szene zu dem Objekt wird, das sie von Anfang an bemitleidet hat. 

Mit einer durchdachten Musikauswahl (unter anderem von Radiohead) und gekonnter Lichttechnik, die besonders in der letzten Szene beeindruckt (Licht: Friederike Schwarz und Lisa Weiß), stellt Michael Blihall die Erwartungen des Publikums zufrieden. Das Ensemble wirkt bewusst gewählt, die Szenerie einer Irrenanstalt wird gekonnt dargestellt. Die mutige Aktion, einen derartigen Klassiker wie Ken Keseys Einer flog über das Kuckucksnest neu zu bearbeiten, ist geglückt. Da bleibt nur eines dazu zu sagen: Wiederaufnahme ist erwünscht!

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Der ganz "normale" Alltag
Quelle: Kurier, 10. Mai 2008

(c) Stuthe "Schlaf, Kindlein, schlaf…" Eine theatralische
Cover-Version von "Einer flog über das Kuckucksnest", bis 13. Mai im
WUK.
"Schlaf, Kindlein, schlaf…" basiert auf dem Roman "Einer flog über das Kuckucksnest" von Ken Kesey. Der Alltag in der Nervenheilanstalt kann schon ganz lustig sein, zumindest im Film. Das wissen wir spätestens seit "Durchgeknallt". Ähnlich wie in dem Psycho-Drama mit Winona Ryder und Angelina Jolie holt Regisseur Michael Blihall seine Inszenierung in die Frauenabteilung einer Nervenklinik (bei Kesey sind die
Hauptfiguren Männer).

(c) Stuthe Story
Die kleinkriminelle Andrea wir zur Beobachtung in die Psychiatrie eingewiesen, um zu überprüfen ob sie sich das Gefängnis durch vorgetäuschte Unzurechnungsfähigkeit ersparen will, oder ob sie wirklich psychisch krank ist. Kaum ist sie dort angekommen, stört sie die bestehende Ordnung der Patientinnen und Ärzte. "Wer ist hier das Alpha-Tier", möchte Andrea wissen. Schnell wird klar, dass sie diese Position einnehmen wird. Ihr Ziel ist es Dr. Eckart, den Chef der
Abteilung, in den Wahnsinn zu treiben. Eine Herausforderung mit Folgen…

Sarah, vielleicht eine Roma, mit KZ-Trauma. Sie spricht nicht,
versteht aber alles. Agnes, herausragend gespielt von Catrin Malessa, als Kind von ihrem Onkel missbraucht, glaubt alles unter Kontrolle zu haben. Die stotternde Isabella hat versucht sich umzubringen, Nina leidet an Kleptomanie und hat ihren Freund "gekillt". Ein bunter Haufen, der die meiste Zeit gut zusammenspielt. Barbara Jansenberger gibt die Andrea. So richtig überzeugend wirkt sie aber erst in den letzen Minuten.

(c) Stuthe The Cure
Eine Produktion mit Musik von The Cure hat eigentlich schon gewonnen.
Sehr schön ist die Szene, in der Andrea "Creep" anstimmt.

"But I'm a creep, I'm a weirdo.
What the hell am I doing here?
I don't belong here…."

Das Bühnenbild verschafft dem Stück das passende Umfeld, ist
zweckmäßig und übersichtlich. Weiße Holzmöbel, als wären sie direkt
von der Baumgartner Höhe ins WUK gebracht worden, im Zentrum ein Schwesternhäuschen und um dem Ganzen den kalten Spitals-Touch zu geben, bloße Glühbirnen zur Beleuchtung.

Eine gelungene theatralische Umsetzung eines wunderbaren Romans. Über gelegentliche sprachliche Schwächen kann man auf Grund der schönen Inszenierung hinwegsehen.

Weitere Aufführungen: 10.-13. Mai, 20 Uhr, im WUK Wien, Währinger
Straße 59, 1090 Wien.

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YERMA von Federico García Lorca
Quelle: News, 12. März 2008

(vier von sechs Sternen)
OFF-Theater Wien. Muttermythengeschwafel und feministische Anklage, kuhbrunftige Bluttiraden und sublime Poesie: Lorcas "Yerma" ist kaum zu begreifen und noch weniger zu inszenieren. Sollte man meinen. Im winzigen OFF-Theater aber zeigt der junge Regisseur Andreas Knabl, worauf es ankommt: Ausgezeichnete Textarbeit bringt die suggestiven Passagen zum Leuchten und kühlt die schwer erträglichen zu präzisem Suurrealismus ab. Das Qualitätsgefälle im jungen Ensemble ist beträchtlich, doch Titeldarstellerin Clara-Maria Köck ist eine konkurrenzfähige Könnerin. H. S.

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Lachorgie: 4 Gruppen spielen Karl Valentin
Quelle: Kurier, 18. Jänner 2008 (Wag)

Wer auf die vielleicht bekannteste Bürokratie-Satire vom Buchbinder Wånninger wartet, wird enttäuscht. Aber über schon dutzendfach Gehörtes lässt sich nicht so herzhaft lachen wie über Überraschendes. Vier freie Gruppen haben sich zusammengetan und einen Abend für das Wiener OFF-Theater gestaltet. Zum Teil weniger bekannte Texte des Münchner Sprachanarchisten werden vm Freistiltheater, der Gruppe Spielzeit, von imp-act sowie stuthe (Studierende-Theater) genial in Szene gesetzt. Slapstickartig, teils mit grenzüberschreitendem körperlichen Einsatz agieren die jungen Schauspieler, ohne je den Wortwitz, der sich oft durch das genaue Wörtlichnehmen ergibt, zu verlieren. Übrigens legen die Protagonisten des Abends "Vollgas! Valentin!" Wert auf das Vau, schließlich wird K.V. ja immer wieder mit dem Satz zitiert: "Nenn mich nicht Walentin, du nennst ja auch nicht deinen Vater Water."

(4 von 5 Punkten)

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Menschliches, allzu Menschliches
Quelle: Der Unistandard, Oktober 2007 (Konstantin Teske)

Am 11. Oktober hat die neue STUTHE (Studierende-Theater)-Produktion "Die Zoogeschichte" von Edward Albee im Off-Theater in Wien Premiere. Was an einem gewöhnlichen Sonntag im Park beginnt, endet in der Grauzone zwischen Mensch und Tier.

Wien - Sonntagnachmittag im Park. Die Sonne scheint, und Peter setzt sich,zufrieden schmunzelnd, mit seinem Buch auf jene Bank, auf die er sich schon seit Jahren fast je­den Sonntagnachmittag setzt, um ergötzliche Stunden voller Zufriedenheit zu genießen.

Peter ist verheiratet, hat zwei Töchter, zwei Wellen­sittiche, eine Katze und zwei Fernseher. Peter lebt im Einklang mit sich und der Welt. Bis Jerry kommt. Jerry hat weder Frau noch Kinder, noch Haustiere und generell eher wenige Habseligkeiten. Da­für hat Jerry sehr viele offene Fragen und kennt jede Menge Geschichten. Eine davon ist die "Zoogeschichte" , die er im Verlaufe des Nachmittags Peter erzählen wird. Doch so weit sind wir noch nicht.

Wie alles begann
"Am Anfang haben wir ge­sagt: Hier sind wir, wir ma­chen Theater, und dann haben wir gesagt: Kommt mit euren Sachen." So komprimiert Ro­bert Koukal (28) die Grün­dungsgeschichte der Plattform Studierende-Theater (kurz: STUTHE), die durch organisa­torische Hilfe Interessierten die Möglichkeit bieten will, Theater- und andere Projekte zu verwirklichen. Waren es bei der Gründung 1999 noch einige Freunde, die aufgrund mangelnder Theaterinfra­struktur für Studenten be­schlossen, die Sache selbst in die Hand zu nehmen, ist die STUTHE heute ein professio­nell durchorganisierter Verein mit vier Abteilungen, über vierzig Mitgliedern und mehreren hundert Interessierten, die regelmäßig über auf Ver­wirklichung wartende Ideen informiert werden.
"Es gibt drei Schritte: Idee, Projekt, Produktion", umreißt Koukal die Funktionsweise der STUTHE. Trägt man an den Verein eine Idee heran, so braucht es, damit die Idee zum Projekt reifen kann, einen künstlerischen und einen or­ganisatorischen Hauptverant­wortlichen und zusätzlich einen Betreuer von der STUTHE. Sobald diese drei ge­funden wurden, kann eine Idee im Ausschuss zum Projekt ge­adelt werden: "Sobald es ein Projekt der STUTHE ist, wird nach Mitwirkenden gesucht, können Räume über uns ge­nutzt und Theater angeschrie­ben werden." Das Budget muss für jede Produktion neu aufgetrieben werden, die Einnahmen fließen an die STUTHE zurück, die damit neue Stücke teilweise vorfinan­ziert und Technik zur Verfü­gung stellt, der Gewinn für alle Beteiligten ist ideeller Natur: "Unentgeltlichkeit ist Pflicht."

"Einen Weg finden"
Donnerstagabend im dritten Wiener Gemeindebezirk. Mar­tin Pesl (24), der Peter, und Stephan Werner (28), der Jer­ry, spielt, sinnieren darüber, auf was sie sich eingelassen haben: "Was mach ich da überhaupt? Man führt sein Le­ben und glaubt Kontrolle da­rüber zu haben, plötzlich aber passiert etwas, und alles gerät ins Wanken." Nicht dass Pesl angesichts der anstehenden Vorstellungen von Selbst­zweifeIn geplagt wäre, er be­schreibt die Anziehung, die die "Zoogeschichte", dieses "unheimlich starke, heftige Stück" auf ihn ausübt. Für Werner ist Jerry ein "Suchender, der sehr scharf beobach­tet und analysiert", aber auch einer "der sich wünscht, nor­mal zu sein", es aber nicht ver­mag "mit den Menschen in ir­gendeinen Einklang zu kom­men". Dies aber dennoch ver­bissen versucht: Ein Mensch muss irgendeinen Weg finden, um mit etwas fertig zu werden, wenn schon nicht mit anderen Menschen - mit irgendetwas!, heißt es im Stück.
Obgleich es Peter nicht durchwegs angenehm ist, Jer­rys Geschichten, "ausgesetzt" zu sein, wehrt er sich nicht da­gegen: "Beide Figuren suchen irgendwie das, was der An­dere hat", begründet Helge Salnikau (24, Regie) diese Ambivalenz. "Tief­gründig, schwarz" ist für Bar­bara Schetter (22), Regieassis­tenz, der Humor Albees, "das Lachen bleibt im Hals ste­cken". Jenes bedrängende Ge­fühl, das einen nach dem Stück verfolgt, hätte Jerry viel­leicht so verbalisiert: Eigent­lich merkwürdig, ich frag mich, ob' s traurig ist.

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Die neueste Sendung von "OFF - Das Theatermagazin der Off-Szene Wiens" über die STUTHE-Produktion "Fette Männer im Rock" ist am Sonntag, den 03.06. im Schikaneder Kino, im Anschluss an den "OFF Theatertrailer" - Abend ab 19:30 Uhr, zu sehen.

Nach Theatergruppen aus der Off-Szene Wiens, wie z.B. der Theater Wozzek und dem 3Raum Anatomietheater, wurde der neueste Beitrag zum Jubiläum von "OFF" über die STUTHE und ihr neuestes Projekt gedreht.

Der Beitrag läuft ab dem 7. Juni eine Woche lang auch auf OKTO, immer zu einer anderen Uhrzeit, von der Primetime bis zum Frühstücksfernsehen. 

Nähere Infos gibt's auf: www.okto.at und www.schikander.at

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Viel Sand und ein Flugzeug
Quelle: Progress, 2007/01 (Autorin: Sonja Hödl)

Auch wer nicht im Reinhardtseminar ist, kann professionelles Theater machen. Der Verein STUTHE ermöglicht Studierenden verschiedener Studienrichtungen gemeinsam Theateraufführungen zu realisieren. Ein Blick hinter die Kulissen.

Mittwoch Abend in einem kleinen Lokal in Wien. Acht Leute sitzen beim STUTHE-Frühstück zusammen und diskutieren über Theater. "Heute sind es wenige, aber es gab auch schon Treffen mit achtzig Personen", erzählt Robert. Er ist Obmann des Vereins und war bereits bei der Gründung 1999 dabei. Irene ist heute das erste Mal gekommen, "um sich über die Möglichkeiten, selbst Theater zu machen, zu informieren".

Theater ermöglichen. STUTHE ist keine Theatergruppe, sondern ein Verein, der jungen Menschen eine Plattform zum Austausch und zur Realisierung von Theaterideen bieten will. In erster Linie richtet sich die Möglichkeit an Studierende, aber auch wer nicht mehr, noch nicht oder gar nie studiert hat ist willkommen Erfahrungen in den verschiedenen Bereichen des Theaters zu sammeln. "Das sind die künstlerischen Bereiche wie Schauspiel, Regie oder Bühnenbild, aber auch wer sich für Kulturmanagement interessiert, kann bei uns mitmachen", fordert Robert alle Interessierten auf, einfach bei einem der wöchentlichen Treffen vorbeizuschauen.

Ideen umsetzen. Der Weg von der Idee bis zur Premiere ist ein langer. Wer mit einer Theateridee zu STUTHE kommt, findet zuerst die Chance zum Ideenaustausch. Die InitiatorInnen müssen Hauptverantwortliche im künstlerischen und organisatorischen Bereich und eine/n Betreuer/in von Seiten des Vereins finden, dann kann es losgehen mit Castings, Proben, dem Suchen von SponsorInnen. Kai und Kolja, beide Studenten der Theaterwissenschaft, haben schon einmal bei einem Stück im Rahmen von STUTHE Regie geführt und planen nun mit "Fette Männer im Rock" ihre zweite Produktion. "Vor wenigen Tagen haben wir die Zusage von STUTHE bekommen, im Juni wird das Stück aufgeführt, bis dahin gibt es noch viel Arbeit", erzählt Kai. Für Kolja ist es wichtig zu betonen, dass hier "professionell gearbeitet wird und die Produktion mit Laientheater nichts zu tun hat".

Finanzierung aufstellen. Der professionelle Anspruch kommt aus Begeisterung zum Theater, Gewinn macht bei STUTHE nämlich niemand. Die Produktionen finanziert der Verein vor, die Einnahmen fließen wieder ins Budget zurück. "Gewinn dürfen wir als Verein gar keinen machen, aber es ist natürlich wichtig, dass wir einen Polster haben falls mal etwas nicht klappt wie geplant", erklärt Christoph, der bei STUTHE für die Finanzen verantwortlich ist. Grundsätzlich finanzieren sich die Produktionen über Einspielergebnisse, was dank ausverkaufter Häuser auch gut funktioniert. SponsorInnen suchen die Beteiligten dennoch für jede Produktion. "Da handelt es sich aber meist um Sachspenden", erzählt Kai. Und Kolja ergänzt: "Für unser nächstes Stück suchen wir gerade viel Sand und ein Flugzeug." Eigentlich benötigen sie nur ein halbes, abgestürztes Flugzeug, das Auseinandersägen würden sie aber selbst erledigen.

Theaterleidenschaft leben. Bis jetzt agiert STUTHE nur in Wien, die Beteiligten sind aber für jede Art von Kooperation mit Theaterbegeisterten in anderen Bundesländern offen. Egal ob ein Gastspiel einer aktuellen Produktion oder Unterstützung bei ganz neuen Projekten: Die Theaterleidenschaft soll über die Grenzen der Hauptstadt hinaus getragen werden. "Theater muss einfach mehr unterstützt und gefördert werden", fordert Denise, die bei "Fette Männer im Rock" die Produktionsleitung übernehmen wird. Mit dem Nachsatz: "Denn die spezielle Atmosphäre im Theater gibt es einfach nirgendwo sonst."

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"Titus Andronicus", das schwarze Schaf aus Shakespeares Frühwerk auf dem kahlen Stufenrundwerk der WUK-Bühne
Quelle: Der Standard, 5. Dezember 2006

Blutrünstig und stumpf gibt sich Titus Andronicus, das schwarze Schaf aus Shakespeares Frühwerk. Nichts anderes verlangt zeitgenössische Sensationsgier, und so streut das "Stuthe" (Studierende-Theater) eine Horde sich selbst zerfleischender H&M-Werbeabziehbilder (Kostüm: Christiane Huber) über das kahle Stufenrundwerk der WUK-Bühne (Kristof Kepler, Matthias Krische).

Dort vegetiert Titus (Kostas Papageorgiou), der unlimitiert rechtschaffene Römerfeldherr. Sein Widerhaken ist Tamora (Charlotte Schütz-Perez), die vom Status der Kriegsbeute zur kaiserlichen Femme fatale aufsteigt. Nach einem trögen Anfang, gewinnt das Stück dank der vielseitigen Inszenierung von Sandra Keplinger an Fahrt. Dazu trägt vor allem Lena Wiesbauer als stückfremd dazu erfundener Narr bei: Ihre gestischen Simultankopien des grausigen Händeringens geben dem Stück das nötige Abstraktionsniveau. (pet/ DER STANDARD, Printausgabe, 05.12.2006) 

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Studierenden.Theater – STUTHE
Quelle: Unique

Die STUTHE ist ein seit 1999 bestehendes Netzwerk, welches StudentInnen die Möglichkeit bietet, in einem professionellen Rahmen auf hohem Niveau Theater zu machen. UNIQUE sprach mit Robert Koukal und Agnes Wiesbauer

Wer oder was ist die STUTHE?
Robert: Die STUTHE ist eine Plattform, ein Netzwerk, das den Studierenden einen Rahmen gibt, Theater zu machen. Sie setzt sich aus Leuten zusammen, die Kunstschaffende betreuen und zeichnet sich dadurch aus, dass wir unentgeltlich arbeiten. Sind offen für LaiInnen, AmateurInnen, die sich ausprobieren wollen, sorgen aber dafür, dass in einem professionellen Rahmen gearbeitet wird. Es scheitert schließlich vor allem daran, dass es keinen Rahmen gibt: keine rechtliche Basis, Werbung, Erfahrung, Räume, etc. Wenn die Leute darüber betreut werden, haben wir gedacht, können sie künstlerisch tätig sein und Erfahrung sammeln.

Aus wem setzt sich die STUTHE zusammen?
Robert: Die STUTHE setzt sich aus Vereinsmitgliedern zusammen, die im Rahmen der Plattform tätig sind und aus im Rahmen der Projekten Tätigen, die aber nicht Mitglied des Vereins sind. Der Vorstand besteht aus vier Personen. Alle diese Leute zahlen kein Geld, bekommen aber auch kein Gehalt. Für jeden Bereich gibt es eine Person, die Erfahrung hat und zu dieser Person werden die Leute vermittelt. 

Wie kann man/frau sich an die STUTHE wenden?
Agnes: Man/frau kann sich über die Homepage www.STUTHE.com registrieren und seine/ihre primären Interessen (Regie, Schauspiel, Management, Maske, etc.) bekannt geben und dann bekommt man/frau zu allen Veranstaltungen der STUTHE Informationen. Die Homepage wird auch regelmäßig aktualisiert. Das ist für uns das Wichtigste, da wir kein Büro haben. Das ist eigentlich das einzige Mittel uns vorzustellen – neben dem STUTHE-Frühstück, das immer am Mittwoch um 20 Uhr im Shooters stattfindet, zu dem alle kommen können und dazu dient, eine Art Regelmäßigkeit im Umgang mit dem Verein zu schaffen. 

Wie läuft ein Projekt ab?
Robert: Um ein Projekt anzuwerfen muss man/frau sich mit einer Idee an die STUTHE, sprich ein Mitglied wenden. Für den künstlerischen und organisatorischen Bereich muss es jeweils eine Person geben. Dazu braucht es ein STUTHE-Mitglied als betreuende Person. Diese drei legen dann der STUTHE ein Konzept vor. Sobald dieses angenommen wurde, ist es ein Konzept der STUTHE, kommt auf die Homepage und Leute werden angemailt. Dieses Projekt kann dann autonom arbeiten. Wir haben auch keine fixen Spielstätten, diese werden von Produktion zu Produktion neu gesucht.

Wie finanziert ihr euch?
Agnes: Budget wird für jedes Projekt neu aufgestellt. Das sind meistens private SponsorInnen und die Karteneinnahmen. Bei den meisten Theatern ist die Regelung, dass 60 Prozent der Einnahmen an uns gehen. Der Überschuss kommt natürlich den nächsten Projekten zugute.
Robert: Denn wir alle arbeiten unentgeltlich und das Geld, das wir einspielen bietet dann die Sicherheitsbasis für weitere Projekte. Die Spielstätten sind im Verlauf der Jahre auch immer größer geworden, zuletzt waren wir im EnsembleTheater, im Künstlerhaus und im Dschungel Wien.

Was sind die laufenden Projekte?
Robert: Titus Andronicus im Dezember ist eine sehr heftige, blutrünstige Geschichte. Da sehen wir SchauspielerInnen mit viel Einsatz, die alles geben. 
Agnes: Aber es wird sicher vom Gesamtkonzept sehr interessant werden. Es wird viel mit Bühne, Projektion und Licht und aufwändigen Kostümen gearbeitet werden. Wer STUTHE kennen lernen will, soll auf jeden Fall kommen. Im Jänner wird es etwas für AutorInnen geben. Eine AutorInnenförderung, die Schreibfenster heißt.

Finden bei euch regelmäßige Veranstaltungen statt?
Agnes: Nein, da es für uns nicht möglich ist einen Spielplan zu schaffen. Wir können oft am Anfang des Jahres nicht sagen, welche Produktionen laufen. Das hat mit den Jahren eine Eigendynamik bekommen. Was uns ganz wichtig ist, ist die Eigenverantwortlichkeit heraus zu fordern. Das wir nicht automatisch Geld zur Verfügung stellen können, muss schon auch die Idee dahinter sein.

Was sind eure Ziele, Vorstellungen, Wünsche für die Zukunft?
Robert: Das sich noch mehr Leute engagieren innerhalb des Vereins, denn je mehr Leute in der Lage sind Projekte zu betreuen, desto mehr Produktionen können wir machen. Ein Büro ist sicherlich eine Sache die wir brauchen, damit Leute Ideen austauschen und sich treffen können. 

Interview: Katrin Gleirscher

www.STUTHE.com

UNIQUE verlost 2x2 Freikarten für „Titus Andronicus“ am 6. Dezember um 19.30 im Wuk. Mail an gewinnspiel@oeh.univie.ac.at. Betreff: Titus.

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Starres Licht
Quelle: Wiener Zeitung, 18. November 2005

Zustand: Verzweifelte Absurdität. Diagnose: Pathologische Trauer. Das Studierende-Theater macht sich im "dietheater Künstlerhaus" auf die Reise durch eine zersplitterte Seele.

Das Stück "4.48 Psychose" der englischen Dramatikerin Sarah Kane ist eine Aneinanderreihung von Wortketten und Monologen. Unterschiedliche Textbruchstücke sind darin hart aneinandergesetzt: Tagebuchartige Zustandsbeschreibungen, nüchterne Auflistungen von Psychopharmaka, wütende Anklagereden gegen diese deprimierende Welt und gegen das eigene Ich. Das ist der Rhythmus des Wahnsinns.

Mit beeindruckender formaler Konsequenz hat Regisseurin Carina Riedl die Textfragmente inszeniert und drei Figuren aus dem Textwust gefiltert, die sich in und über einem weißen Guckkasten bewegen. Sie werfen ihre Sätze in den Raum, tasten sich in synchronen Bewegungen vorwärts. Die beiden Frauenfiguren (Sophie Prusa und Sophie Zwölfer) liefern einen packenden Spiegel des inneren Chaos: Zerrissen, zerfetzt, zerfleddert, zerbombt.

Das minimalistische Bühnenbild (Maria Pavlova) und die gezielte Beleuchtung (Robert Hirner) unterstützen das Gefühl von Depression und Schmerz.

Die Inszenierung geht einem nicht mehr aus dem Kopf. Jeder findet ein Stück von sich selbst darin wieder. Vor allem mit den beiden Frauenfiguren kann sich das Publikum identifiezieren.

4.48 Uhr ist jene Zeit zwischen Nacht und Morgen, in der man, von Medikamenten unbeeinflusst, zum klaren Denken fähig ist. Gleichzeitig wohnt diesem Augenblick ein großer psychotischer Anteil inne, es ist "ein Moment von Klarheit vor der ewigen Nacht". Um diese Zeit geschehen auch die meisten Selbstmorde: "Luke öffnet sich, starres Licht." Vorhang auf. Aus. 

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Von Post- und Prä-löchern
Severin Dostal, Martin Thomas Pešl
Quelle: gezeit. zu studierende zeitung, Oktober 2005

Postcaligulärpräpsychotische Depression. Zwischen der einen Produktion und der anderen liegt ausgerechnet der Sommer. Die Zeit, in der du dich erholen kannst nach der Phase, in der du auf nichts Lust hattest, und vor den Wochen, in denen du auch nichts machen wirst, weil du dich darauf vorbereitest, zu nichts anderem als zum Proben und Spielen Zeit zu haben. Yeah, ich bin engagiert. Caligula von Albert Camus stand Mitte Juni auf dem Spielplan unserer hübschen, äußerst off-igen Theaterplattform für Studierende; im November kommt Sarah Kane heraus, 4.48 Psychose. Dazwischen klafft, besonders rund und schwarz gerade für einen, der in beiden Produktion als Schauspieler mitwirkt, ein seltsames Loch, mit dem du dich gar nicht recht abfinden willst. Als Verein, der gerade Studierende anspricht, faulst du den ganzen Sommer lang in einer Hängematte zwischen Engagement und Passivität vor dich hin, wenn du und deine Mitglieder nicht gerade selbst Urlaub machen, zum Teil freilich gemeinsam, denn du bist ja gut befreundet und hast dann wieder reichlich Gelegenheit, Theater an sich und Theater für uns in ausgedehnten Sommergesprächen zu zerpflücken und so lange in neuen Projektideen zu schwelgen, bis du es nicht mehr aushältst und mitten auf der Akropolis eine Probe ansetzt, zu einer Inszenierung, für die noch kein Budget vorliegt, kein Spielort und eigentlich keinerlei realistische Grundlage. Wunderbar. Das Sommerloch ist besonders grausam für die Spezies des engagierten Menschen, der weder Ausbildung noch Gehaltsansprüche vorweisen kann und will: Einerseits willst du etwas tun, triffst dich, schmiedest Pläne, entscheidest Dinge, andererseits willst du auch ein Recht haben, die letzten Reste deiner Freiwilligkeit gezielt einzusetzen und dir deine ach so wohlverdiente Pause zu gönnen. Andererseits kannst du hier sowieso nichts machen. Oh je, das böse Wort: nichts. Neue Leute ansprechen scheitert an der Anwesenheit derselben; potentielle Sponsoren und Subventionsgeber schlafen ebenfalls und haben ihren Schreibtisch wie ihren Geldtopf vorsorglich schon im Juni geleert. Dass Löcher auch in Budgets auftauchen, ist eine längst verdaute Erkenntnis der Off-Theatermachenden.
Geht doch ins Theater, holt euch Inspiration, außerdem tun wir das sowieso gerne! ... Nun, dann fahrt eben nach Perchtoldsdorf, Guntramsdorf und Oberzeiring und bestaunt die Ensembles von Burg und Josefstadt, die ihr für vier Euro auch im Winter und gemütlicher zu sehen bekommt! Oder bleiben wir lieber da und arbeiten an unserer eigenen Homepage, die würde sowieso einen Relaunch vertragen. Der Verein zahlt euch die 30 Euro ja doch nicht. Das wäre noch schöner.
Oder wie wäre es mit STUTHE-Sommerfestspielen? Sagen wir, in Atzgersdorf. Ein erregtes Kribbeln setzt ein. Aber andererseits hat man jetzt Ferien, und stressig war das Semester ja schon, auch und vor allem wegen der Theaterarbeit. Da muss ich schon ein bisschen entspannen, und das wäre wohl zu viel. Hallo, ich mache das frei-wil-lig! Aber das hatten wir schon einmal... Löcher sind kreisförmig.
Manchmal gelingt es, das Loch zur Nische umzudefinieren. Ein Workshop wird auf die Beine gestellt, über Nacht. Noch während der caligulären Erfolgseuphorie (100% Auslastung!) fragt der Dschungel Wien an, ob wir einen Workshop im August halten wollen, Thema egal, das gesamte Haus steht eine Woche lang zu unserer Verfügung. Antwort bitte noch heute bis Mitternacht. Wir sagen ja, fast reflexartig, und stampfen in wenigen Stunden ein Konzept aus dem Boden, eine prophylaktische Füllung für das Loch, dessen Ausmaße jeder von uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal zu ahnen vermag. Die exakt vierundzwanzig Schüler und Studierenden, die in der letzten Augustwoche in der Stadt sind und nicht, wie jeder normale (Kultur)Mensch, die Abwesenheit von Unterricht einerseits und Theater andererseits als angenehm empfinden, werden von der STUTHE bedient. Ist doch cool, oder? Zuerst mal shoppen gehen, dann Theater-workshoppen mit der STUTHE im DschungelWiendemTheaterhausfürjungesPublikum und dann sich im Museumsquartier ausgiebig auf den nächsten Workshoptag vorbereiten... – so entsteht eine ganze Woche ausgiebiger Gelassenheit mit der STUTHE. 
Und das mitten im Sommerloch. 
Und danach? Postworkshopicale Depression? Hm. Tage zählen bis zum nächsten STUTHE-Frühstück? Hm. Ein Dreifingertheater in den Donauauen auf der Luftmatratze aufziehen und allen verbliebenen Stechmücken dieses Sommers noch eine letzte Chance geben? Hm. Uns wird doch sicher etwas einfallen, schließlich gibt es ja noch unendlich viele Dinge zu tun...

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Tipp: Albert Camus
Quelle: nightcamp/kultur - von Stephan Burianek

STUTHE.Studierende-Theater wurde 1999 von sechs "Wahnsinnigen" gegründet und zählt derzeit 25 Mitglieder, Tendenz steigend. Zwischen zwei und fünf Produktionen werden pro Jahr realisiert. Wenn du selber Theater machen willst, oder einfach Hilfe für dein eigenes Projekt brauchst, kommst du am besten zum STUTHE-Frühstück, jeden Mittwoch um 20 Uhr im Rooms oder besuchst die STUTHE-Homepage (siehe unten).

Vom 8. bis 11. Juni hat man die Möglichkeit, sich von den Qualitäten der Studierendentruppe persönlich zu überzeugen. Im Dschungel Wien zeigt sie Albert Camus "Caligula", die Story über den römischen Kaiser, der nach dem Tod seiner geliebten Schwester seine absolute Macht als Herrscher einsetzt, um die Säulen einer Ordnung einzustürzen, der wir alle unterworfen sind – mit dem einzigen Ziel, unbegrenzte Freiheit zu erlangen.

Es spielen Georg Blume (Caligula), Pia Clodi (Caesonia), Kostas Papageorgiou (Cherea), Martin Thomas Pesl (Helicon) und Michael Weisswasser (Scipio). Regie führt STUTHE-Gründungsmitglied Robert Koukal, der u. a. bei den Wiener Festwochen 2004 als Regieassistent tätig war.

(Anmerkung: Das STUTHE-Frühstück findet nicht mehr im Rooms, sondern im Shooters statt)

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Gepflegtes Affentheater
Nachgeschaut – Premiere im KJT
Quelle: Rheinische Post, 25. 05. 2005

(ana) Lehnstuhl, gedämpftes Licht. Dazu eine Zigarre und ein Glas Whiskey: Im gediegenen Ambiente sinniert "Rotpeter" über sein Dasein. "Ich kam von der Goldküste", erzählt er mit vornehmem Tonfall. Aber nicht nur Sprache und Wort sind gepflegt. Die Garderobe ist vom Feinsten – weißes Hemd, schwarzer Anzug, polierte Schuhe. Darauf abgestimmt: Seine Körperhaltung samt klaren Bewegungen. Umso unwirklicher erscheint seine Geschichte: Denn "Rotpeter" erzählt von einer Verwandlung, die er am eigenen Leibe vollzogen hat. Vom Affen wurde er zum Menschen. Aber all das geschah nicht aus freien Stücken. "Es war der einzige Ausweg, zu überleben", berichtet er seinen Zuhörern. Angeschossen und gefangen genommen wurde er in einem viel zu kleinen Käfig auf einem Schiff nach Hamburg geschippert. Durch reine Beobachtung nähert er sich Stück für Stück seiner Menschwerdung an. Unterbrochen wird die lebhafte Berichterstattung durch "Bruchstücke" aus seinem jetzigen Leben: Mal flimmern die Lampen, dann dröhnt "Heavy Metal" aus der CD-Anlage, auf dem schwarzen Fernsehbildschirm taucht plötzlich ein kopulierendes Paar auf. Auch machen "Rotpeter" (gespielt von Claudius von Stolzmann) die Drinks zu schaffen, die er nebenbei schlürft. Bis er schließlich kurz den Raum verlassen muss, um sich wieder zu erleichtern. Inszeniert wurde Kafkas Klassiker "Ein Bericht für eine Akademie" von den Jung- Regisseuren Kai Krösche (20) und Kolja Burgschuld (20). Als Werkstattaufführung gaben sie ihre Premiere im Kinder- und Jugendtheater. Stolzmann (23) füllte nach einer Warmlaufphase seine Rolle bestens aus, bis er sich gegen Ende vom vornehmen Herrn zum Affen wandelte, der schreiend und sich am Kopf kraulend seinen Bericht schloss. Applaus für das junge Trio.

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Ein Bericht für eine Akademie
Der Affe Rotpeter ist Mensch wider Willen
Quelle: WUaktuell, 06/2006

"Hohe Herren von der Akademie" - mit diesen Worten beginnt die Erzählung von Franz Kafka über einen Schimpansen, der es innerhalb von fünf Jahren geschafft hat, ein Mensch zu werden.

Ein Affe stellt sich vor
Ein Affe wird in seiner Heimat, während einer Jagdexpedition der Firma Hagenbeck, durch zwei Schüsse verletzt. "Einen in die Wange; der war leicht; hinterließ aber eine große ausrasierte rote Narbe, die mir den widerlichen, ganz und gar unzutreffenden, förmlich von einem Affen erfundenen Namen Rotpeter eingetragen hat, so als unterschiede ich mich von dem unlängst krepierten, hie und da bekannten, dressierten Affentier Peter nur durch den roten Fleck auf der Wange.“ Der zweite Schuss erwischte ihn unterhalb der Hüfte. 

Jetzt ist er aber ein gebildeter "Mann". Er verfügt über die Durchschnittsbildung eines Europäers. Sein Fell ist schön gepflegt. Es riecht nach Mensch.

Die Inszenierung
Neben der Erzählung "Ein Bericht für eine Akademie" gibt es noch ein paar kleine Erzählungen, die Rotpeter ebenfalls behandeln. Kai Krösche und Kolja Burgschuld adaptierten diese zu einem Theaterstück und präsentierten sie mit Hilfe von Stuthe (Studierenden-Theater) in den ersten Aprilwochen dem Publikum. Es war eine One-Man-Show, die von einem einzigen Schauspieler eine Stunde lang glänzend getragen wurde. Es gelang ihm eindrucksvoll, den Widerwillen, den Rotpeter den Menschen entgegenbringt, darzustellen. Der gekonnte Einsatz moderner technischer Mittel, wie Fernseher, Projektionen und Geräusche rundete das Ganze
noch ab. 

Das letzte Wort
"Im Ganzen habe ich jedenfalls erreicht, was ich erreichen wollte. Man sage nicht, es wäre der Mühe nicht wert gewesen. Im übrigen will ich keines Menschen Urteil, ich will nur Kenntnisse verbreiten, ich berichte nur, auch Ihnen, hohe Herren von der Akademie, habe ich nur berichtet" so Rotpeter.

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So ein Theater!
Quelle: progress, Dezember 2004

Wer als Student/in in Österreich Lust auf Theatermachen verspürt, hat es schwer: Private Schauspielschulen sind teuer, und wer schafft's schon ins Reinhardt-Seminar? Studentische Theatergruppen bieten eine Alternative - und nicht die schlechteste, wie die aktuelle medienkritische Produktion des Studierendentheatervereins STUTHE zeigt.

CONSTANZE GRIESSLER

Dass an den klassischen Ausbildungsstätten für Schauspielerinnen immer noch gezielt nach den „klassischen Rollentypen" gesucht wird, widerspricht nicht nur den dramatischen Strukturen des zeitgenössischen Theaters. Mit Grausen entdeckt man/frau ganz zwangsläufig Parallelen zu TV-Formaten wie Popstars: „Dein Typ passt einfach nicht in unsere Band — also wirst du nicht zum Recall geladen." Hier bietet junges und engagiertes Studierendentheater die Möglichkeit, sich von den althergebrachten Theaterbegriffen zu lösen und mutige neue Bühnenarbeit zu machen. Doch anders als im angloamerikanischen Raum gibt es an den Unis hierzulande keine Räumlichkeiten für Probebühnen, wo Studierende gemeinsam mit theater-erfahrenen ProfessorInnen oder aber alleine Stücke erarbeiten und zur Aufführung bringen könnten.

University goes Broadway. Wer sich dagegen in den USA entschließt, das Studienfach „drama" zu belegen, erhält automatisch eine fundierte Ausbildung; Theatertheorie und -praxis werden dort als gleichwertig betrachtet. Die Collegebühnen fungieren als Experimentierwerkstätten, studentische Theatergruppen genießen einen exzellenten Ruf und besitzen genügend Budget, um innovative Produktionen auf die Bühne zu bringen. Bei den jährlichen „Collegetheaterfestivals" reisen namhafte TheaterkritikerInnen aus dem ganzen Land an und beobachten die neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet des Theaters. Oftmals werden auf diesem Wege Talente entdeckt; die Stücke unzähliger junger Autorinnen erfahren ihre Uraufführung an Colleges und feiern in der Folge manchmal auch am Broadway große Erfolge.
Seit einigen Jahren gibt es aber auch in Wien studentisches Theater: Der Verein STUTHE (Studierende/ Theater), eine Plattform von theaterbegeisterten Studierenden, hat es sich zur Aufgabe gemacht, interessierten Studentinnen aller Fakultäten bei den gemeinsam in Workshops erarbeiteten Produktionen mit Beratung und technischer Unterstützung zur Hand zu gehen. Das Spektrum der von STUTHE angebotenen Betreuung reicht von Regie, Dramaturgie und Schauspiel, Drehbuchverfassung bis hin zu Licht- und Tontechnik. STUTHE ist jedoch keine Schauspielschule im herkömmlichen Sinne, sondern wendet sich dezidiert an Studierende, die schon einiges an Vorkenntnissen mitbringen.

Medienkritisches Theater. Der Verein finanziert sich durch die Einnahmen aus dem Kartenverkauf der jeweiligen Produktionen, fixe SponsorInnen gibt es derzeit noch keine. Auch mangelt es STUTHE an Räumlichkeiten für die Proben. So musste bei den Proben für die neue Produktion „Bettys Sommerfrische“ auf Gemeinschaftsräume in Wohnhausanlagen oder Galerien ausgewichen werden. Das Stück unter der Regie von Marion Guerrero erlebt am 7. Dezember im Wiener Kabelwerk seine östereichische Uraufführung und ist zugleich die erste zeitgenössische und die teuerste Produktion, die STUTHE bis dato hervorgebracht hat. Die Inszenierung bietet eine Mischung aus Fernsehen, Kino, Soap Opera, Theater, Comedy und Show. Ein Drittel der riesigen Halle wird bespielt, im restlichen Raum stellen Studierende von Kunsthochschulen ihre Werke aus. Dem Publikum werden so mehrere Medien zugleich geboten.

Die 1980 geborene Guerrero über ihr Stück: „Gerade in Österreich, wo sich alle Medien um Angleichung bemühen und Information durch Unterhaltung ausgetauscht wird, wo eine Kronen Ze¬tung den Anspruch erheben kann, eine ernstzunehmende Tageszeitung zu sein, wo der ORF seinen Bildungsauftrag mit Serien wie The Bachelor wahrnimmt, ist das Thema Medienkritik aktuell wie nie zuvor. Dennoch wird Kritik zumeist in einer hochwissenschaftlichen, kaum wahrgenommenen Form vorgebracht, ist quasi das Privileg einer intellektuellen Minderheit." „Bettys Sommerfrische" möchte die TV-Gesellschaft dezidiert aufs Korn nehmen und mit den eigenen Waffen schlagen: Nicht nur der Inhalt, sondern auch die form und Inszenierung des Stücks beleuchten und enttarnen den derzeitigen Entertainementwahnsinn.

Constanze Griessler ist Kunstministerin der ÖH und studiert Theater-, Film und Medienwissenschaft in Wien.

Studierendentheater im Probelauf: „Bettys Sommerfrische" in der Vorbereitungsphase.

Unterhaltet uns! - „Bettys Sommerfrische" im Kabelwerk
Eine gehörige Prise Sozialkritik und Selbstverarschung —eine moderne Satire, die Tabus bricht und kein heiles Haar am so genannten Medienkonsum lässt, kommt im Dezember ins Wiener Kabelwerk.

Drei geheimnisvolle Stimmen, die unterm Dach wohnen und die Bewohnerinnen eines Ferienhauses mit unbezähmbarer Sensationsgier auf Trab halten, kommentieren sämtliche Ereignisse der absurden Satire „Bettys Sommerfrische" mit TV-geschulter Liebe zum makabren Detail. Spektakuläre Gerichtsprozesse, schaurige Nachrichten über Folter und Missbrauch sowie das Neueste aus der Welt der Reichen und Schönen — entscheidend ist der Entertainment-Wert!
„Bettys Sommerfrische" des amerikanischen Autors Christopher Durang kritisiert den grenzenlosen Medienkonsum auf atemlos-lebendige, chaotische Weise. Mit intelligentem Wortwitz, schwarzer Situationskomik und schonungsloser Provokation wird eine Gesellschaft karikiert, in der von den Medien vor allem eines erwartet wird: Unterhaltung.
„Bettys Sommerfrische" schlägt den Medienkonsum dabei mit seinen eigenen Waffen: Nicht nur der Inhalt, sondern auch die Inszenierung des Stücks, ein Mix aus Trash-Comedy, Talk-Show und Monty Python, beleuchtet und enttarnt den Entertainment-Wahn.

Christopher Durang ist vor allem im englischsprachigen Raum für seine satirische Beobachtungsgabe und seinen beißenden schwarzen Humor bekannt. In seinen Stücken führt er die Stereotypen und Plattitüden einer Gesellschaft, die von Fernsehen, Popkultur und Konsumverhalten geprägt ist, ad absurdum.

„Bettys Sommerfrische" wird von 7. bis inklusive st. Dezember jeweils um 19.30h im Wiener Kabelwerk gezeigt..