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4.48 Psychose 4.48 PSYCHOSE

von Sarah Kane
Deutsch von Durs Grünbein

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Wiederaufnahme wegen großen Erfolgs:
16. bis 20. Mai 2006
20.00 Uhr, dietheater Künstlerhaus


Trailer: klein (6,2 MB) | groß (8,4 MB)

Karten:
EUR 14,50 (im Vorverkauf: EUR 12)
für Studierende: EUR 11,50
(im Vorverkauf: EUR 9)

Bestellung unter 01 / 587 05 04 - 32
bzw. kasse@dietheater.at
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Erste Aufführungsserie:
16., 17., 18. (2x) und 19. November 2005


"Um 4 Uhr 48
wenn die Klarheit vorbeischaut
für eine Stunde und zwölf Minuten
    bin ich ganz bei Vernunft"


Zu Motiv und Motivation:

Psychopathologische Störungen (Essstörungen, Selbstverletzungen, Suchtverhalten usw.), Neurosen, Selbstmordgedanken und ausgeführter Suizid sind Phänomene, die mehr und mehr um sich greifen. Nach wie vor werden diese Probleme an den Rand des gesellschaftlichen Bewusstseins gedrängt, obwohl sie eine Dimension erreicht haben, die eine genaue und intensive Auseinandersetzung mit ihnen verlangen würde.
Mit "4.48 Psychose" von Sarah Kane wollen wir die Verfasstheit einer Welt zeigen, der Orientierungshilfen wie Moral und Religion verloren gegangen sind. Von jedem Individuum wird verlangt, das es sich Identität selbst stiftet. In einer Zeit, die Selbstverantwortlichkeit über alles stellt, ist die Gefahr groß, Menschen in ihrem Scheitern allein zu lassen.

Mit der Arbeit an ihrem letzten Stück, das posthum erschienen ist, möchten wir dem Glauben an ein unausrottbares Refugium der Hoffnung Ausdruck verleihen - das der Liebe. Denn der mit einem anderen geteilte Moment, die gemeinsame Erfahrung mit dem menschlichen Gegenüber sind das, was uns nachhaltig am Leben hält.

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Fotos von Sandra Keplinger

Zu Sarah Kane (1971-1999):

  • Eine der wichtigsten englischen DramatikerInnen der 90er Jahre
  • Studiert Theaterwissenschaft und szenisches Schreiben
  • 1995 heftig umstrittene Uraufführung ihres ersten Stückes Zerbombt (Blasted) am Royal Court Theatre in London
  • Weitere Stücke: Phaidras Liebe (Phaedra's Love), Gesäubert (Cleansed), Gier (Crave)
  • Arbeitet als Regisseurin, inszeniert teilweise ihre eigenen Stücke
  • 1999 entsteht ihr letztes Stück 4.48 Psychose (4.48 Psychosis). Es bezeichnet den Höhepunkt von Sarah Kanes Schreiben, ein Aufbrechen herkömmlicher dramatischer Strukturen.
  • Im Frühjahr 1999 Selbstmord nach lebenslangen Depressionen und häufigen Klinikaufenthalten

Zu den Themen des Textes:

  • Zerreißen menschlicher Identität (in Körper und Seele, bzw. in Ratio und Gefühl), nicht nur als Kennzeichen des Wahnsinns, sondern des modernen Menschen im Allgemeinen
  • Gefühl der Lähmung und Handlungsunfähigkeit durch eine unüberschaubare Fülle an Möglichkeiten
  • Unfähigkeit zur Kommunikation durch Sprache
  • Sehnsucht nach Liebe

Zur Bearbeitung:

Sarah Kanes letzter Text "4.48 Psychose" bildet die Quintessenz aus ihren vorangegangenen Werken, ein Stück im Balanceakt zwischen manischer Depressivität und Lebensbejahung. Es spiegelt Einsamkeit wider, die Unmöglichkeit der Kommunikation. Dennoch scheint Sarah Kane ihrem Rezipienten ein "Weiterleben" mit auf den Weg geben zu wollen. Hier wird eine eindeutige Trennung zwischen Autorenbiographie - der Suizid Kanes - und der Aussage ihres Textes erforderlich. Eine Eins-Zu-Eins-Übernahme scheint zunächst auf der Hand zu liegen, darf aber genau so nicht vollzogen werden.
"4.48 Psychose" bildet Strukturlinien auf verschiedenen Ebenen - von den Kriegen der Menschheit zum Krieg in der Familie, dem zwischen Paaren, dem von Individuen und schlussendlich dem innerhalb des eigenen Bewusstseins. Aus der formal komplexen Komposition von Fragmenten im Ursprungstext haben wir drei Figuren gemäß einer handlungsähnlichen Dramaturgie destilliert: Er, die IrrSinnige und die IrrSinnige. Das Wortspiel beinhaltet den Kern unserer Fragestellung: In einer postmodernen Welt ist es nur mehr der Liebe und Sinnlichkeit möglich, Sinn zu konstituieren.
Ihn und die IrrSinnige verbindet ein Arzt-Patienten-Verhältnis, die IrrSinnige und Ihn eine Liebesbeziehung. Die beiden Frauenfiguren sind verbunden über ihr Gefühl, außerhalb eines gesellschaftlichen Gefüges zu stehen. Er nimmt den Vernunftpol in diesem Geflecht ein, die IrrSinnige den der Irrationalität, den des Wahns. Die IrrSinnige fungiert als Identifikations- figur, auch für den Zuschauer. Sie vermittelt zwischen dem Gefühl, an der Welt krank werden zu müssen und dem Appell, weiterzumachen.

Ein Mensch im Heute hat so gut wie alle Möglichkeiten - und genau das macht ihn krank, beziehungsweise kann zu absoluter Stagnation ob der Fülle von Chancen führen. Formaler Ausdruck dieser Problematik im Text ist das Verschleifen von Bedeutung, das Stocken und Den-Gedanken-Verändert-Wiederaufnehmen. Die Sprache versiegt in einer besonderen Art von Bedeutungslosigkeit.

Sarah Kane liefert einen Ausweg aus diesem abgeschotteten Monadendasein, aus der Entfremdung gegenüber der Außenwelt: Die Liebe wird der letzte Hoffnungsschimmer sein - selbst dann noch, wenn er nur noch Erinnerung ist: denn die Kraft und das Vermögen des Erinnerns ist und bleibt existentiell und lebensbejahend.
Die Inszenierung versucht ein Beitrag zu sein, um das Noch-Nicht-Abgestumpfte im Selbst zu entdecken.

Team

Er Martin Thomas Pesl - IrrSinnige Sophie Prusa - IrrSinnige Sophie Zwölfer

Regie Carina Riedl - Bühne Maria Pavlova - Kostüme Dagmar Bald - Mussikkomposition- und arrangement artElect - Licht Robert Hirner - Dramaturgie Hannah Lioba Egenolf - Promotiondesign, Fotos und Trailer Sandra Keplinger - Produktionsleitung Agnes Wiesbauer - Technische Leitung Apostolos Nikolopoulus - Ton Arthur Fussy - Beleuchtung Florian Geschl - Maske Carola Zwatz und Katharina Sophie Liebherr - Produktionsbetreuung Stephan Werner - Züge Florian Scheimpflug